Klettern ist eine Grundform der menschlichen Bewegung wie Gehen, Laufen, Springen oder Kriechen und ist daher eine Schlüsselmotorik zu unserem Körperbewusstsein. Mit zunehmendem technischen Fortschritt und gesellschaftlicher Entwicklung ist das Klettern als überlebensnotwendige Bewegung aus unserem Alltag verschwunden. Erst im vergangenen Jahrhundert wurde das Klettern von unserer inzwischen kopflastigen Gesellschaft als Freizeitsport für alle Altersgruppen wiederentdeckt. (…)
In den letzten zwanzig Jahren ist die Zahl der Indoor-Kletteranlagen stetig gestiegen. Zu Beginn ihrer Entwicklung wurden Kletterwände in kleinen Bereichen bestehender Gebäude mit 50-100m² Kletterfläche errichtet. Heute gibt es große Kletterzentren mit 1000-5000m² Kletterfläche, für die nicht selten ein neues Gebäude errichtet wird. Da nach einschlägigen Prognosen dieser Trend weiter anhalten wird, ist die Errichtung von künstlichen Kletteranlagen eine Bauaufgabe mit Zukunft.
Mit dem immer komplexer werdenden Klettersport sind in den letzten Jahren neben einer Vielzahl an sportwissenschaftlichen Arbeiten auch verschiedene fachübergreifende Publikationen entstanden. Sie stammen vorläufig aus den Bereichen Medizin, Geschichte, Soziologie, Werbung oder Personal Coaching.
In der Architektur hat es bisher sehr wenige Auseinandersetzungen mit dem Thema Klettern und den dafür benötigten Anlagen gegeben. Bis zum heutigen Zeitpunkt existieren keine Publikationen oder Planungsgrundlagen, die es Architekten ermöglichen sich mit der Bauaufgabe und ihren Funktionsabläufen auseinander zu setzen und zu identifizieren. Leider trifft man in der Praxis nicht selten auf Kletterhallen und -anlagen, die funktionale und gestalterische Defizite aufweisen. Da die Investitionen in Kletteranlagen inzwischen beachtliche Ausmaße annehmen, sind nachhaltige Nutzungskonzepte ein absolutes Muss. Die Zeiten, dass sich Kletterer mit dunklen spartanischen Kammern begnügen, sind längst vorbei. Helle, weite Räume und ein sozial angenehmes Umfeld werden mehr und mehr gesucht.
Da ich selbst in der Situation bin, die beiden Bereiche Architektur und Klettern gut zu kennen, hat sich mit dieser Diplomarbeit die Möglichkeit ergeben, mich ausführlich mit deren Verknüpfung zu beschäftigen. Ziel dieser Arbeit ist, Planern und Architekten die Chance zu geben, die komplex gewordene Sportkletterwelt besser zu verstehen und gut informiert zu bearbeiten.